Opotiki – erste WWOOFing-Stelle (Willing Workers On Organic Farms)

So, jetzt lass ich mal wieder was von mir hören. Es hat alles geklappt und ich bin mit dem Intercity-Bus am richtigen Ort angekommen und wurde vom Farmer Paul abgeholt. Ein netter Kerl, 50 Jahre alt, hat sich gut gehalten und hängt seit knapp sechs Monaten auf dem Grundstück in der Einöde rum. Und es kam gleich zur ersten Überraschung: mit dem Bus kamen auch noch zwei weitere Deutsche – Peter und Stefan- an, die ebenfalls von Paul abgeholt wurden. Ich hatte zwar gehofft, dass ich mich nun endlich voll auf mein Englisch verlassen müsste, doch dass dies nicht der Fall war, sollte nicht unbedingt so schlimm sein: ich habe auch so viel mit dem Farmer Englisch gesprochen und wäre ich allein gewesen, hätte ich mich erstens alleine mit dem wirklich heftigen Neuseeländischen Slang rumschlagen müssen (ohne Spaß, das klingt manchmal, als wollten die Menschen einfach nicht verstanden werden! Da heißt es dann einfach: Immer freundlich nicken und wenn es nach einer Frage klingt ein „Yeah“ dahernuscheln. Oh, wobei das auch einmal in die Hose ging: Paul fluchte mal beim Loch-Budeln vor sich hin. Dann sagte er, dass er selbst vielleicht einfach ein alter und unfähiger Knacker wäre und ich dachte, er würde irgendwas schlechtes über den Spaten sagen und meinte: „Yeahh“. Peinlich peinlich.) und zweitens wäre die Arbeit dann härter und der Alltag deutlich langweiliger gewesen.

Zwängen wir 3 Jungs uns also zu ihm in die klapprigste Karre, in die ich je einsteigen musste, und werden gleich mal von der sehr anhänglichen Hunde-Dame Bella begrüßt. Der Bus-Fahrer des Intercity-Bus meinte noch zu mir, was so ein junger Bursche wie ich in einem „gottverlassenen Drecksloch“ wie Opotiki (das durchaus große Probleme mit seiner Kriminalität hat) suchen würde, aber diesem kleinen Assi-Örtchen sollte noch die Steigerung folgen: der vollständige Verlust der Zivilisation. Wir fuhren etwa 35 Minuten einfach nur einen heruntergekommenen Landweg lang, der so enge Kurven und dünne Stellen hatte, dass man sich dort echt nicht Gegenverkehr im falschen Moment wünschen möchte. Irgendwann endete die Straße dann und wir standen vor einem Fluss. Wir dachten uns, dass wir jetzt aussteigen und mit unserem Gepäck irgendwo lang laufen müssten, doch weit gefehlt! Paul gab Gas, suchte sich eine gute Stelle und fuhr einfach durch den Fluss (später erzählte er, dass das nur bei niedrigem Wasserstand möglich ist, die Frau seines Freundes ist eines Nachts anscheinend schon beim Versuch, durchzufahren, umgekommen.)! Gleich danach kam dann aber das Grundstück und wir stiegen aus, wir haben alles gezeigt bekommen und wenig später gab es Abendessen. Das Essen war meistens mehr als genug, vor allem abends. Da gab es dann meist Nudeln oder Kartoffeln mit Fleisch/Fisch und Gemüse zusammen mit ein paar gebutterten Toasts. Ansonsten gab es ein normales Frühstück mit Cornflakes und zum Lunch immer Toast.

Nun zum unangenehmeren Teil: die Arbeit. Die ersten Tage durften wir die gesamte Grünfläche mit Macheten von irgendwelchen Sträuchern und Pflanzen entfernen. Später folgte Zaun-Errichten, Zaun-Streichen, Putzen und Schafe-Scheren. Es wurde meist circa fünf Stunden gearbeitet, von halb 9 bis halb 12 und von 14 bis 16 Uhr. Danach durften wir machen, was wir wollten und gegen 19 Uhr gab es schließlich Abendessen. Nach dem Abendessen kam es ab und an noch zu interessanten Gesprächen; eines Abends beispielsweise über Gott und den Sinn des Lebens. Paul hat wirklich schon eine Menge Schicksalsschläge durchmachen müssen und hat schließlich zur Bibel gefunden und sie in neun Monaten durchgelesen.

Nach einer halben Woche stieß Cordula und nach einer Woche Lukas, Simon und Julia noch zu unseren kleinen Crew hinzu, und sie waren alle – welch Überraschung – Deutsche. Es gibt quasi drei Gebäude: das Häusschen, in dem gegessen wird und wo Paul schläft, dann eine kleine Hütte, in der wir die ersten Nächte zu dritt verbracht hatten und schließlich noch ein größeres Häusschen , knapp sieben Minuten entfernt, wo auch der Garten mit dem Zaun war, in das wir umzogen, als wir zu siebt waren (es gab keine Schlösser, was ein wenig beunruhigend war, da wir nicht immer in der Nähe waren und ab und an dann doch ein Auto an dem Grundstück vorbeifuhr). Aber wie gesagt, wir hatten es eigentlich ganz lustig, den Tag über durfte ich meist Paul mit dem Zaun-Bauen helfen (so konnte ich ein wenig Englisch sprechen), während Peter und Stefan strichen und die anderen putzten oder Blumen rausrupften. Es gab eigentlich keine freien Tage, schließlich kann man hier sowieso kaum mehr machen als arbeiten und die Landschaft genießen, nur wenn es heftig regnete und drinnen nichts zu tun war, konnte man sich entspannen. Die freie Zeit war sowieso das Beste: Stefan, Peter und ich fanden äußerst unterhaltsame Beschäftigungen für unsere freie Zeit. Wir erfanden eigene Disziplinen wie z.B. Zwirrlen-Schießen und Macheten-Wurf, um mal ein paar zu nennen (haha, wenn Paul wüsste, was bei ihm alles durch den Garten geflogen ist…).

Ansonsten lässt sich noch sagen, dass mich Cordula dazu brachte, mal ein bisschen mit meiner Kamera rumzuspielen, drum gibt’s hier jetzt wieder einige Bilder (aber ordentlich gekürzt, habe insgesamt knapp 1000 Bilder gemacht). Nach dem Abendessen gab es oft noch eine Karten-Runde und zwei, drei mal ergab sich die Möglichkeit, mit Paul nach Opotiki zu fahren und für kurze Zeit in der Library das Internet zu nutzen, um die weitere Reise zu planen.

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von lenstolz

Ein Kommentar zu “Opotiki – erste WWOOFing-Stelle (Willing Workers On Organic Farms)

  1. Hallo Len, daß sieht ja richtig nach Arbeit aus, aber zu verhungern scheint ihr ja nicht und die Gruppe sieht auch sehr motiviert aus!
    Liebe Grüße aus Grenzach

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