Second WWOOFing : Home of Compassion

„Sisters of Compassion“. Das klang für mich nach einem Kloster mit ein paar Nonnen, bei denen ich mich wohl um den Garten kümmern müsste. Das war schon mal nicht schlecht geschätzt, aber es handelte sich eher um ein gläubiges Altenheim (jedoch ausschließlich weiblich bewohnt), da der Altersdurchschnitt wohl so bei 65 Jahren lag. Ansonsten gab es dort noch ein ebenfalls weibliches, sehr freundliches Küchenpersonal sowie die zwei einzigen Männer vor Ort: einen älteren Mann, der ebenfalls im Garten half und einen vergleichsweise jüngeren Inder, der immer einen unschlagbaren Anblick abgab mit seinem dicken Pulli, seinem entwaffnenden breiten Lächeln und dem dazugehörigen dicken Schnauzer. Er war fürs Putzen zuständig.

An dieses nette Örtchen verschlug es mich also am Montag, nachdem ich mein Hostel verlassen hatte und mit dem Bus knapp 20 Minuten in einen Außenbezirk von Wellington zum ‚Home of Compassion‘ gefahren war. Oh, an dieser Stelle lässt sich gleich mal noch was zu dem Abenteuer ‚Busfahren‘ sagen: Das ist wohl der einzige Punkt, bei dem Auckland vor den meisten anderen Städten liegt. Denn in Auckland konnte man erstens recht billig mit dem Bus durch die Stadt kommen, was in Wellington schon etwas teurer ist und vor allem bekommt man dort die Stationen angesagt. Das ist hier sonst nicht so: selbst mit dem Intercity Bus, mit dem man ja von Stadt zu Stadt fährt, muss man halt die ganze Zeit aufpassen, was die Ortsschilder so sagen, damit man seinen Ort nicht verpasst. Genauso verhält es sich mit den Stationen in und um Wellington. Ich sollte zur „Dee Street“ fahren und hatte natürlich keine Ahnung, wo das ist, geschweige denn, wie lange die Fahrt dauert. Und da es auch keine Fahrpläne an den Busstationen oder im Bus gibt und man seine Fahrkarte sowieso immer beim Busfahrer kauft, ist es wohl für Touristen/Reisende am einfachsten, den Busfahrer einfach zu fragen, ob er einem Bescheid sagen kann, wann man an der gewünschten Station ist. Oh und pünktlich sind die Busse grundsätzlich nicht, aber zur späteren Stunde dann schon eher (und man muss die Busse dann per Handzeichen stoppen, sonst fahren sie einfach munter an einem vorbei).

Wie dem auch sei, so kam ich dann irgendwie dort an und wurde von Sister Lusi (die sofort dadurch auffiel, dass sie einen Bleistift in ihrem Afro stecken hatte) gleich mal sehr nett begrüßt und zum Morning Tea gebeten. Das ist dann so einen lockere kleine Runde, wo die ganzen Schwestern mal nett ein bisschen vor sich hinbrabbeln zu einer Tasse Tee und ein bisschen Gebäck. Die Schwestern sind eigentlich aus allen möglichen Ecken; Neuseeland, Europa oder Amerika, es ist alles vertreten, da das HOC eine Einrichtung von Suzanne Aubert ist (die hier eine recht bekannte Frau war, die sich für die Fürsorge von Behinderten und Kindern eingesetzt hat) und Menschen von überall sich dafür interessieren. Nach dem Morning Tea, gegen 10 Uhr, half ich dann zwei Stunden lang Schwester Christin im Garten. Sobald dann hier die „Lunch Bell“ läutet, wird sofort alles hingeschmissen und jeder wuselt in den Essensraum. Das Mittagessen fiel immer ordentlich aus, jeden Tag gab es eine Sorte Fleisch mit verschiedenem Gemüse und einem Dessert. Anschließend wurde dann ein wenig im Garten weitergearbeitet und ab 2 oder 3 Uhr mittags hatte ich dann frei. Zum Abendessen bekam ich dann immer ein eigenes kleines Abendessen, das ich alleine im Essensraum zu mir nahm. Und die Nacht verbrachte ich schließlich alleine in einem kleinen Haus, die etwas abgeschieden vom Hauptgebäude bei den Gärten (und Suzanne Auberts Grab) lag. Das ist eine gemütliche kleine Hütte, die eine Heizung, Strom und sogar ein Waschbecken hat, aber leider auch ein wenig entfernt vom nächsten Stillen Örtchen war, was besonders nachts uncool sein konnte. Hier aß ich auch immer mein Frühstück bevor ich zum Morning Tea um halb 10 zu den anderen stieß.

Mein Tagesablauf war damit also recht bequem, da ich um 8 aufstand und insgesamt nur drei Stunden arbeiten musste. Da ich dann auch noch die Wochenenden frei hatte, hatte ich recht viel Freizeit, die ich meistens mit meinen Mit-WWOOFern – zwei Französinnen – verbrachte. Da die beiden einen Van besaßen, kamen dann auch ein paar nette Unternehmungen wie z.B. ein Zoobesuch oder eine kleine ‚Sightseeing‘-Tour durch Wellington zustande. Am Mittwoch sind wir auch noch zu ihrem Wohnort zurückgefahren (sie wohnten bei einer der Schwestern) und nachdem wir nach Obamas Wiederwahl seine Rede angeguckt hatten, haben die beiden Damen noch eine Spezialität ihrer Heimat gekocht: Crêpes, sehr lecker! 🙂 Ansonsten hab ich in meiner freien Zeit noch ein wenig die Umgebung erkundigt und versucht, am 5.11. etwas vom Guy-Fawkes -Feuerwerk mitzubekommen, was leider nicht so ganz geklappt hat.

Abschließend lässt sich sagen, dass es wirklich eine schöne Woche war, da meine Arbeit sehr überschaubar war und die Sisters of Compassion wirklich alle sehr nett zu mir waren. Alles in allem war es wohl mehr Urlaub als Arbeit.

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von lenstolz

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