Tongariro Crossing

Unserem erfolgreichen Zwischenstopp in Rotorua folgte eine sehr schöne Zeit in Taupo. Von diesem bezaubernden Städtchen aus nahmen wir einen Shuttle-Bus, der uns zum Startpunkt des berühmten „Tongariro Alpine Crossing“s brachte. Das Crossing ist ein Wanderweg über die Vulkan-Landschaft des dortigen Tongariro National Parks, bei dem man sowohl die Möglichkeit hat, auf den Vulkan Tongariro sowie auf den Vulkan Ngauruhoe (der den „Herr der Ringe“-Filmen als ‚Schicksalsberg‘ gedient hat) zu steigen. Es ist der wohl berühmteste Wanderweg Neuseelands und angeblich einer der zehn beliebtesten und schönsten Tagesmärsche weltweit. Man wandert durch die Landschaft, die Sir Peter Jackson in Herr der Ringe für Mordor hergehalten hat, vorbei an faszinierenden Berglandschaften und in bis zu circa 1800 Metern Höhe. Doch mal wieder war das Timing nicht ganz auf meiner Seite: aufgrund der Ausbrüche im letzten Jahr ist es an manchen Stellen immer noch nicht möglich, zu wandern, weswegen nur ein bisschen mehr als die Hälfte des Wanderwegs momentan geöffnet ist. Diese erste Hälfte ist jedoch der wichtigere Teil, da man dort die optionalen Wege auf den Tongariro sowie den Ngauruhoe wandern kann und auch Zugang bzw. Blick auf die berühmten Seen ( z.B. den Blue Lake) hat. Leider befinden sich auch die Streckenabschnitte, die als schwierig eingestuft werden dort und da das Crossing nur halboffen ist, gilt es, den gleichen Weg wieder zurück zu laufen.

Unser Tag begann um 4:30 Uhr morgens, indem wir mühsam aus dem Bett krochen, um alles vorzubereiten und zu frühstücken, bis der Bus um 5:30 ankam. Wir erreichten den Startpunkt etwa gegen 7 Uhr und machten uns auf den Weg. Der Wetterbericht hatte 20 Grad und einen wolkenlosen Himmel bei angenehmen Sonnenschein versprochen und so stiegen Kat und ich voll motiviert aus dem Bus – in kurzen Hosen und mit Sonnenbrille. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so gefroren habe. Es dürften so um die 0 Grad gewesen sein, wir befanden uns auf etwa 1200 Metern Höhe und von der Sonne keine Spur. Nach etwa 45 Minuten hatte die Sonne dann tatsächlich einen Teil des Wanderwegs erreicht und bald darauf konnte ich auch meine Beine wieder spüren. Der erste Teil des Weges war quasi zum Aufwärmen, leicht zu wandern, kaum Steigung, ein wenig klettern. Daraufhin folgte ein steiles Stück, bei dem man schier endlose Treppenstufen zu bewältigen hatte. Als dieser Teil geschafft war, waren wir dann doch recht weit oben und konnten die ersten beeindruckenden Aussichten genießen. Es folgte ein angenehmes flaches Stück und schließlich der schlimmste Teil überhaupt: wir stiegen an einem Kraterrand zum höchsten Punkt des Wanderwegs hinauf und mussten dabei wirklich teilweise recht steile und rutschige Teile überwinden. Oben angekommen wurde uns klar, wie saublöd es doch gewesen war, in Shorts zu dieser Wanderung aufzutauchen. Es gibt einen Grund, warum die Verantwortlichen das „Tongariro Crossing“ vor geraumer Zeit in „Tongariro Alpine Crossing“ umbenannt haben; man wollte den Touristen bewusst machen, dass man sich selbst im Sommer da oben mal ganz schnell sein Hinterteil abfriert. Das wusste ich eigentlich, hatte es aber verdrängt. Habe mich dann ordentlich drüber geärgert, als ich da so an den letzten Resten des Winterschnees vorbeiwanderte und mir mit meinen, vor lauter Kälte gefühllosen, Händen meine Beine mit Sonnen-Creme einschmierte. Doch gerade als wir auf den Tongariro Vulkan wanderten, verabschiedete sich die Sonne für eine Zeit lang hinter ein paar Wolken, weswegen unsere Sicht dort dann recht eingeschränkt war. Nachdem wir unzählige Fotos auf dem Tongariro sowie dem höchsten Punkt des Wanderwegs gemacht hatten und uns mit einem Vesper gestärkt hatten, machten wir uns auf den Rückweg. Als es dort dann für uns wortwörtlich „bergab“ ging, wurde es wirklich anstrengend. Ich rutschte ein paar mal ordentlich aus, kam aber doch unversehrt wieder unten an. Das Wandern hatte etwa knapp acht Stunden beansprucht und alles in allem waren wir so elf Stunden unterwegs, ein Tagesausflug eben. Wir plumpsten erschöpft auf unsere Bus-Sitze und schliefen recht bald ein, sodass wir fast unsere Halte-Station verpasst hätten.

Selbst diese Hälfte des Tongariro Alpine Crossings ist meiner Meinung nach schwer zu empfehlen. Ich wäre sehr gerne die gesamte Strecke gewandert, aber auch so gab es atemberaubende Aussichten. Ich würde jedem nur empfehlen, sich ein wenig vorzubereiten, Wanderschuhe und Verpflegung sind da das Minimum. Warme Kleidung ist vielleicht nicht falsch.

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von lenstolz

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