Sailing in Windy Welly

Nun waren wir also doch wieder früher zurück in unserer kleinen Wahlheimat hier in Neuseeland; Wellington. Wir waren auch nur deswegen so viel eher zurück, weil das mit dem Arbeiten mal wieder nicht hingehauen hatte und so beschlossen wir, wenigstens für die Zeit meines Geburtstags hier zu bleiben und nicht wieder den gleichen Fehler wie an Silvester zu machen.

So ergab es sich, dass ich mich spontan ein paar Freunden, die mit einem unserer Iren (der sein Hobby zum Beruf gemacht hatte und hier in Wellington als Segel-Lehrer arbeitete) zum Segeln anschließen konnte. Die Gruppe bestand aus der Kanadierin Jamie, ihren Eltern, der Deutschen Meike, unserem Kapitän und mir.

Mir war nie klar, wie gewaltig sich die Englisch-Akzente doch unterscheiden. Die paar Schotten, die ich beispielsweise bisher kennenlernen durfte, klagen doch irgendwie ein wenig bäuerlich (nicht böse gemeint), die Engländer manchmal vornehm und manchmal auch nicht (je nach Herkunft, anscheinend sticheln sich Nord und Süd ganz gern). Aber die Iren, die sind nochmal ’ne ganz andere Nummer: haben immer viel zu erzählen und man versteht doch nur die Hälfte. Sie geben selbst zu, dass sie wohl einfach faul beim Sprechen sind und daher einfach mal aufs „Th“ verzichten, daher klingt „Thirteen“ dann eher wie „Törtin“ und so weiter. Am angenehmsten finde ich bisher übrigens immer noch die Amerikaner, weil man deren Ausdrucksweise wohl von Serien und Filmen gewohnt ist. Ungeschlagen unverständlich bleiben immer noch die Einwohner Neuseelands, vor allem die Einheimischen mit Maori-Wurzeln klingen für mich alle recht ähnlich und fast wie eine andere Sprache (ich muss hier jetzt mal einen der bekanntesten Werbespots reinstellen, damit ihr mal einen Eindruck bekommt). Eigentlich hat jeder, der nicht von hier ist, seine Schwierigkeiten nit der hiesigen Ausdrucksweise.

Warum ich das gerade jetzt erzähle? Nunja, unser nicht gerade so einfach zu verstehender Kapitän ließ uns auf unserem Segel-Trip alle mitarbeiten, da galt es verschiedene Seile zu ziehen, festzumachen, das Segel auf- und abzubauen und natürlich auch zu steuern. Das alles stellte sich dann also nicht ganz so einfach dar, da der Ire uns die nötigen Instruktionen, die das Boot vorm Kentern bewahren sollten, zunuschelte. Das Kentern war in diesem Fall wohl gar nicht mal so unwahrscheinlich, da sich Windy Welly gerade an diesem Tag selbstverständlich wieder von seiner besonders stürmischen Seite zeigen musste. Das Boot geriet dermaßen in Schieflage, dass auf der einen Seite schon das Wasser ins Boot lief (also etwa um 60 Grad gekippt) und das Segel schon das Meer streifte. Wir saßen wirklich alle recht ängstlich und mucksmäuschenstill auf der hohen Kante des Segelboots während wir so mehr oder weniger verzweifelt auf unseren erfahrenen Segler blickten, der uns glücklicherweise beruhigen konnte und cool blieb. Später erfuhr ich, dass das auch zum Teil gespielt war, damit wir nicht in totale Panik ausbrachen und dass er so einen heftigen Seegang schon länger nicht mehr gehabt hatte.

Es war auf jeden Fall mal wieder ein recht abenteuerlicher Mittag und ich kann einen Segel-Trip nur empfehlen, auch wenn ich eigentlich gehofft hatte, dass es ein wenig ruhiger und gemütlicher zugehen würde; ich hatte zuvor nämlich Fotos von Freunden gesehen, die in der vorherigen Woche die gleiche Tour bestritten hatten und dabei bestes Wetter genießen konnten (also ein paar Bierchen trinken und sich ein wenig sonnen und nicht wie wir darauf hoffen, dass wir nicht zurück schwimmen müssen). Da hatte ich nicht gerade den besten Tag erwischt.

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von lenstolz

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