Motueka

Nach einer langen Abwesenheit möchte ich mich dann doch mal wieder zu Wort melden. Habe in letzter Zeit kaum Internet und es passiert auch nicht aaaallzu viel.

Unser Aufenthalt in dem kleinen Städtchen Motueka währte nur für eine Woche, da wir mal wieder zur falschen Zeit am falschen Ort waren: unser Hostel „White Elephant“ war wirklich gut, aber etwas teuer, da wir grade nicht in der geschäftigen Saisonzeit vor Ort waren. Gleiches galt für die Arbeit: wir wollten wirklich recht bald mit dem Arbeiten anfangen, doch die richtig aktive Phase beginnt dort eher gegen Mitte Februar. Die verbleibenden Jobs musste man mit dem Auto erreichen, was sich für uns als ein wenig schwierig herausstellte, da wir kein Auto besitzen. So ergab es sich, dass Kat & ich von zwei deutschen Mädels zu einem Blaubeer-Feld mitgenommen und wenigstens dort ein wenig Erfahrungen sammeln konnten. Die Arbeit stellte sich als nicht allzu anstrengend heraus, auch wenn es wirklich sehr in den Rücken ging. Das Problem war jedoch, dass wir an eine Farm geraten waren, die nicht mit Stundenlohn bezahlte, sondern nach geernteten Beeren. Diese Form der Bezahlung ist recht üblich beim ‚Fruit Picking‘, doch das Problem war, dass wir so wenig pro Kilo Blaubeeren bekamen, dass wir weit unter einem Minimum-Lohn arbeiteten und in sieben Stunden einen mageren Lohn von umgerechnet 35 Euro erarbeiteten. Mit Minimum-Lohn wäre es fast das Doppelte gewesen, doch manche Farmer sehen das nicht ein und lassen es bei diesem Streitpunkt dann sogar bis vor Gericht kommen. Da wir mit diesem mageren Lohn für unser Krumbuckeln in der unbarmherzigen neuseeländischen Sonne nicht gerade begeistert waren und sich für uns sonst nichts so recht ergeben wollte, suchten wir im Internet nach weiteren Arbeitsmöglichkeiten und fanden einen Putz-Job in Kaikoura.

So beschlossen wir, am nächsten Montag weiterzureisen und in den verbleibenden Tagen die Umgebung noch ein wenig mit unseren Zimmergenossinnen (eine Engländerin sowie vier weitere Asiatinnen aus China, Mailasien und Japan, die sich interessanterweise nur auf Englisch mit Kat verständigen konnten) zu erkunden. Selbstverständlich verschlechterte sich das Wetter schlagartig, sodass es recht frisch (bzw. verflixt kalt im Wasser) war, als wir dem Motueka-River einen Besuch abstatteten.

Kat und ich kochen jeden Abend, da das die billigste Variante ist und angesichts der teilweise recht leckeren Mahlzeiten auch nicht die schlechteste. Ein klassischer Tag beinhaltet bei uns lediglich zwei Mahlzeiten pro Tag: Frühstück und Abendessen, wobei wir jeweils immer so lange warten, bis wir verhungern und dann so viel essen, bis wir fast platzen.

Wenn mir danach war, besuchte ich auch ein paar meiner Freunde aus meiner ersten Woche hier in Neuseeland. Deren Hostel war knapp eine halbe Stunde Fußweg von meinem Hostel entfernt, was natürlich trotz einer Menge Schatten auch gegen 6 Uhr abends reichte, um mir einen Sonnenbrand zu verpassen. In diesem Hostel – dem ‚Happy Apple‘ – gab es dann ein paar lustige Abende, die gerne mal am dortigen Strand in einer gemütlichen Runde (irgendeiner schleppt dafür dann natürlich auch immer eine Gitarre mit) endeten. Doch ich durfte dort auch meine negativste Erfahrung in Sachen Hostelführung mit dem dortigen ‚Hausdrachen‘ Janet machen.

Sie und ihr (armer) Ehemann Bill sind die Verantwortlichen des Hostels, was wohl vor allem in Janets Fall eine sagenhaft falsche Berufswahl getroffen zu haben: das gesamte Hostel fürchtet sie, da etwa jeder von ihr angemeckert wird, sie sämtliche Zimmer spontan durchwühlt und je nach Laune auch mal einen halben Kuchen wegschmeißt, um ‚Ordnung‘ in der Küche zu schaffen. Man sagte mir, dass sie nicht immer so war, jedoch trat mir nun diese liebliche Version Janets entgegen, nachdem ich zum dritten Mal eine halbe Stunde gelaufen war, um meine Freunde zu besuchen. Ich bereitete mich darauf vor, wie immer den Besucher-Regeln zu folgen, was bedeutete, dass ich mit einem Sticker mit der Aufschrift „HI! MY NAME IS Len“ rumrennen würde. Doch Janet forderte eine genau Auskunft darüber, wen ich besuchen wollte und wer mir die Erlaubnis erteilt hatte, dieses Hostel zu besuchen, da man dafür wiederum ihre Erlaubnis bräuchte. Nachdem sie einen meiner überraschten Freunde hinzugeholt hatte, verschlechterte ich die Situation noch dadurch, dass ich mich verplapperte und aus Versehen sagte, dass ich eine Stunde länger als eigentlich erlaubt (9 Uhr abends) bleiben möchte. Dies beurteile die Chefin dann als größte Respektlosigkeit meinerseits und forderte mich auf, das Hostel sofort zu verlassen. Es endete also damit, dass ich an diesem Abend – meinem letzten in Motueka – mit einer Gruppe von fünf anderen vor dem Hostel auf einer Bank rumlungern musste, anstatt im warmen Hostel verweilen zu können.

Motueka ist ein nettes Fleckchen, besonders geeignet für Fruit Picking- und Fruit Thinning-Jobs. Es ist wirklich eher ein Dörfchen, hat aber die nötigsten Einrichtungen wie z.B. einen großen Lebensmittelladen, eine Bücherei mit kostenlosem Internet und sogar auch ein, zwei Pubs (wobei diese größtenteils von eher älteren Einheimischen besucht werden; habe beispielsweise eines Freitagabends dort gleich mal eine schöne Klatsche beim Billard-Turnier gegen ein paar Altmeister kassiert). Von einem Aufenthalt im Happy Apple würde ich momentan dringend abraten, doch das White Elephant Hostel ist zu empfehlen.

PS: Wer Lust hat, kann jetzt auch die Details meiner Reiseroute auf der Karte verfolgen: einfach rechts in der Leiste auf die Google-Maps-Karte klicken.

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von lenstolz

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