The Monastry of the Brothers of St. John in Christchurch

Der große Roadtrip war nun also vorbei und ich wieder auf mich allein gestellt. Zum Glück hatte ich vorgesorgt und mich bereits vor dem Trip bei einem Kloster in Christchurch gemeldet sowie angefragt, ob ich bei ihnen für knapp eine Woche wohnen könnte. Die „Brothers of St. John“ stimmten dem zu und so machte ich mich am Mittwoch-Morgen mit dem Bus auf den Weg in den Bezirk Riccarton.

Ich nehme an, dass so ziemlich jeder eine ähnliche Idee von Mönchen hat, wie die meine – die doch sehr von Filmen geprägt war: Ein paar dickbäuchige Brüder, die mit ihrem Alltag nicht viel mehr anstellten als in ihrem altertümlichen Kloster von frühmorgens bis spätabends zu beten und nur für ein bisschen Brot-Backen und Bier-Brauen die Unterhaltung mit Gott unterbrachen. Nun, es mag vielleicht irgendwo noch genau solche Mönche geben und vermutlich auch eine Menge noch viel striktere, die wohl kaum irgendeinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen. Doch glücklicherweise landete ich in einer deutlich moderneren Einrichtung.

Bei den Bewohnern des Klosters an der Puriri Str. 14 handelte es sich um vier Mönche und einen Neuseeländer mit Maori-Wurzeln, der bei den Erdbeben in Christchurch sein Zuhause verloren hatte, von den Mönchen aufgenommen wurde, und jetzt in der Garage lebt sowie fürs Kochen zuständig ist. Ansonsten traf man auch selten mal ein paar Asiaten an, die sich die Einrichtung mit den Mönchen teilten. Die vier Mönche sind allesamt nicht Einheimische, sondern stammten aus Europa. Father Antoine aus Frankreich, Father Felippe aus Italien, Father Anthony aus Irland und Brother Johannes-Pio aus Holland ergaben ein munteres kleines Quartett mit ihren unterschiedlichen Akzenten (von denen einer komischer als der andere klang – besonders der irische).

Ihr Alltag bestand wirklich zu großen Teilen aus Kirchenbesuchen, bei denen gebetet oder gepredigt wurde, aber sie bemühten sich auch, ihren Glauben zu verbreiten und engagierten sich daher mit gläubigen Jugendgruppen, Schulen oder auch einfach profanen Sportgruppen. So wurde unter der Woche meist etwa drei bis vier Stunden gebetet: erst vor dem Frühstück, dann zur Mittagszeit, dann noch einmal vor dem Abendessen und noch einmal für zehn Minuten vor dem Zubettgehen. Gerade dieses letzte Beten war besonders, da in der Kapelle des Hauses bei Kerzenlicht gebetet und sonntags sogar auf Latein gesungen wurde, was wirklich eine beeindruckende Atmosphäre erzeugte (ich hätte gerne Fotos gemacht, aber aus Respekt habe ich darauf verzichtet).

Der Samstag verlief meist deutlich lockerer als der Rest der Woche. So wurde die Woche über meist recht normal und lecker gekocht, wobei freitags nur das Nötigste gegessen und auf Fleisch verzichtet wurde. Am Samstag gab es jedoch ein größeres Abendessen mit leckerem Dessert. Da sie diesen Tag als ihren kleinen „Party Day“ der Woche betrachten, unterhielten sie sich diesmal ausgelassen über Fußball, Politik oder Sport während des Essens, wohingegen sonst eine Predigt oder vergleichbare Texte gelesen wurde. ‚Wild‘ wie es an diesem Tag nun mal zuging, nahm mich der fußballbegeisterte Father Felippe zu 2 ½ Stunden Fußball- und knapp 1 ½ Stunden Basketball-Spielen mit, sodass ich nach knapp sechs Monaten endlich wieder einmal diese Sportarten ausüben konnte (und mir dabei wohl den Muskelkater meines Lebens in den Beinen geholt habe, Aufwärmen ist völlig überbewertet.). Wir spielten mit ein paar Menschen aus der Gegend, die sowohl verschiedener Glaubensrichtungen wie auch Herkunft und Geschlechts waren, völlig unkompliziert. Dem lockeren Abendessen folgte dann sogar noch ein kleiner Filmabend, wo wir gemeinsam den ersten Teil der „Herr der Ringe“-Trilogie guckten und besonders Father Antoine darum bemüht war, Parallelen zwischen den Charakteren des Films und der Bibel zu finden: „Gandalf opfer sich! – Genau wie Jesus!“.

Diesem entspannten Samstag folgte dann der wohl stressigste Tag. Sonntags ging es noch früher für die Brüder raus und es standen unter anderem drei Messen an, die sie in der nahegelegenen Kirche hielten. Die Kirche, die sonst unter der Woche vergleichsweise ’schwach‘ besucht war, war dann rappelvoll – wie bei uns zuhause vielleicht an Weihnachten.

Ich wiederum besuchte so viele Messen und Kirchengänge wie ich konnte, wobei ich mich mit den frühmorgendlichen Besuchen ein wenig schwer tat, aber doch so zwei, drei Stunden täglich in der Kirche verbrachte. Und als beispielsweise der neue Papst Franziskus gewählt worden war und die Brüder doch recht aufgeregt durchs Kloster huschten, begleitete ich Brother Johannes-Pio zu der Gruppe junger gläubiger Studenten, wo wir die Zeremonie im Live-Stream sahen.

Man kann also wirklich sagen, dass die „Brothers of St. John“ angenehm offen der modernen Kommunikation gegenüberstehen. Ich genoss meine Zeit mit ihnen wirklich sehr, hatte mein eigenes Zimmer und konnte sogar das Internet benutzen. Sie waren äußerst freundlich zu mir, ließen mir viele Freiheiten und zeigten mir den schönen, nahegelegenen Wanderweg. Die Woche mit diesen großzügigen Mönchen war eine der angenehmsten hier in Neuseeland – ich wurde um keinen Cent ärmer und um eine besondere Erfahrung reicher.

Nun arbeite ich gerade bei einer Art Landhaus für meiner Unterkunft, wobei ich zwar in einem Wohnwagenanhänger schlafen muss, mich sonst aber nicht wirklich beklagen kann.

 

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