Harvest in Alexandra – Naked Grape Picking & Tea drinking

 

Es wird langsam Herbst hier in Neuseeland. Nachdem man zuhause in Deutschland gerade erst den Winter mehr oder weniger überstanden hat, wird es nun auch hier eine Spur frischer.
Für mich begann nun ein Job bei auf einem Weingut in Alexandra. Hier wohnte ich in einem kleinen Hostel mit dem Namen „Marj’s Place“, das der älteren Dame Marj und ihrer Familie gehörte. Wie immer brauchte es etwas Zeit, bis man sich an die neue Gruppe vor Ort gewöhnt hat (dieses Mal ein lustiger, europäischer Haufen – Estländerinnen, Slowaken, Tschechen, Franzosen, eine Dänin, eine Albanerin und natürlich 50 Prozent Deutsche, aber auch ein Argentinier), doch Marj versuchte mit aller Kraft, uns das Leben einfacher zu gestalten: es gab einen kostenlosen Abholservice sowie kostenloses Internet, sie rief für uns bei den Weingütern für die Jobs an und organisierte dann die Arbeitsgruppen, und sie kochte ab und an für uns. Sie ist die freundlichste Hostelbesitzerin, die ich bisher getroffen habe und die man wohl in ganz Neuseeland treffen kann, wie eine Mutter hat sie sich darum bemüht, dass wirklich jeder einen Job bekommt.

 

So ergab es sich dann, dass ich mit ein paar anderen einen Job in der Nähe des nächsten Ortes bekamen, was bedeutete, dass wir jeden Morgen 30 Minuten Hinfahrt vor uns hatten. Der Job war anstrengend und mit dem klassischen Minimum-Lohn für Backpacker bezahlt (etwa 8 Euro nach Steuern), doch die Arbeitgeber bemühten sich dennoch, es vergleichsweise ertragbar für uns zu gestalten. Es gab alle zwei Stunden die gesetzlich vorgeschriebene Pause – Smoco genannt (Smoking & Coffee) – bei der dann aber sogar kleine Leckereien bereitgestellt wurden. Obwohl der Job wirklich sehr in den Rücken ging, da die Trauben maximal auf Höhe der Gürtellinie hingen und wir manchmal über neun Stunden arbeiteten und dabei etwa 500 Kilo pro Person ernteten, gewöhnte man sich irgendwann mehr oder weniger daran. Das Team spielte dabei eine entscheidende Rolle. Ein Großteil der Crew war aus meinem Hostel, dann noch ein paar weitere Backpacker, die gleich vor Ort campten sowie ein paar bejahrte Neuseeländer, die das ganze wohl Jahr für Jahr aus Spaß mitmachten und erstaunlicherweise deutlich fitter als wir jungen Leute wirkten. Auch die Tschechen, die diesmal sogar einen größeren Anteil als die Deutschen stellten, waren äußerst motiviert und oftmals sehr schnelle Arbeiter. Ich ging es da deutlich bedächtiger an – wir wurden ja schließlich auch nach Stunden und nicht nach Menge bezahlt.

 

So unterhielt ich mich mit meinen Kollegen über Fußball, Essen oder halt Trauben und die Zeit verging irgendwie. Wer übrigens im Übermaß die hohe Qualität der Weintrauben durch Verzehr prüfte, fiel sofort durch blaue Zähne und Zunge auf, was auch sehr erheiternd aussah.

 

Den Vogel schossen unsere Arbeitgeber dann aber doch mit dem letzten Arbeitstag nach knapp 1 ½ Wochen ab. Nachdem wir alle Reihen bis auf eine abgeerntet hatten, wurde diese dann als „Nackte Reihe“ ausgerufen und jeder sollte seine Hüllen wenigstens bis auf die Unterwäsche fallen lassen. Gesagt, getan. Dem folgte ein deutlich munteres Pflücken. Anschließend noch ein feuchtfröhliches Abschluss-Grillen, bei dem kiloweise Würstchen und Salate sowie fast 300 Bier- und zahlreiche Weinflaschen bereitgestellt und natürlich auch dankend von den etwa 35 Mitarbeitern vernichtet wurden.

 

Ich arbeitete auch noch auf zwei anderen Weingütern, wobei diese der Freundlichkeit und vor allem der Organisation des ersten Arbeitsorts bei weitem nachstanden. Hier arbeitete ich nun wiederum einerseits mit den Leuten aus meinem Hostel zusammen, andererseits aber auch mit ein paar heiteren und unglaublich fleißigen Männern von einer Fiji-Insel. Der erste Arbeitgeber beeindruckte einerseits sowohl mit derart schlechten Trauben, dass unser Job eher als „Rosinen-Plücker“ bezeichnet werden konnte und andererseits mit der Tatsache, dass er nur recht glücklich (und offensichtlich zugekifft) am Rand stand und uns einfach mal machen ließ. Beim zweiten Weinberg ging es wieder ein wenig geordneter zu.

 

Aber besonders die Zeit zwischen dem Arbeiten war sehr heiter: wir gönnten uns ab und an ein kleines Bad im eisekalten Fluss grade um die Ecke, erkundeten ein wenig die Umgebung, verbrachten gemeinsame Filmabende oder entdeckten ein wenig die verschiedenen Kulturen, die vor im Hostel vertreten waren. Ein Highlight für mich war dabei der Genuss des argentinische Mate-Tees.

 

Nun galt es aber wieder einmal, schweren Herzens nach einer (überraschend) tollen Zeit die coole Gruppe in Alexandra zu verlassen und alleine weiterzuziehen, da ich nun noch gerade so vier Wochen hier in Neuseeland übrig habe und es noch ein paar Ecken hier für mich zu erkunden gibt.

 

Nächster Stopp: Der Abel Tasman National Park, für den ich nun erst mal quer mit Trampen und Busfahren über die Südinsel reisen musste und bei dem man drei bis fünf Tage (je nachdem, wie viel Essen man mit sich rumschleppen will) entlang der Küste wandert.

 

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von lenstolz

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