Saigon (Ho-Chi-Minh City)

Da Singapur an sich eine recht gute Lage in Südostasien hat, beschloss ich einen Ausflug nach Vietnam zu unternehmen, genauer gesagt nach Saigon. Die Stadt, die man heute offiziell Ho-Chi-Minh City nennt, liegt im Süden Vietnams und bildet mit mehreren Millionen Einwohnern eine Art „Business-Zentrum“ Vietnams: hier geht es im Vergleich zu anderen Gegenden deutlich moderner, zivilisierter und auch konservativer zu.

Ich kam am Freitagabend in meinem Hostel an. Alles war ganz gut gelaufen, wobei ich es trotzdem schaffte, die Chance auf 2 Gratis-Bier, die es im Hostel täglich von 19 – 21 Uhr gab, um 15 Minuten zu verpassen. Ich begab mich dennoch für ein Abendessen hoch zur Bar auf dem Dach, wo man einen schönen Ausblick auf die Stadt genießen konnte. Nach einer Portion Spaghetti Carbonara (Ja, sehr traditionell… es gab halt quasi nichts anderes mehr!) ging ich auch recht bald ins Bett. Ich hatte mir für 5 Euro ein 12-Bett-Zimmer gebucht. Für den Preis und hinsichtlich der Dach-Bar konnte man dadurch wohl über die etwas unschöneren Duschen hinweg sehen.

Am nächsten Tag startete ich recht früh meine Entdeckungstour durch den sogenannten District 1, in dem sich quasi die ganzen touristisch interessanten Highlights der Stadt befinden. Kurz zuvor hatte ich mich erst ein wenig Sonnencreme und dann noch ein bisschen Mückenschutzmittel auf die Haut geschmiert – eine beliebte Kombination von mir hier in Asien. Gerade in Vietnam macht der Mückenschutz Sinn, da man sich tagsüber von den tagaktiven Mistviechern Dengue-Fieber holen kann und nachts wiederum von ihren Kollegen Malaria. Beides gilt als relativ unwahrscheinlich in Saigon, aber man weiß ja nun mal nie.

So schlenderte ich eine große Runde durch den District 1, vorbei am im französischen Kolonialstil gebauten Rathaus der Stadt, der Kathedrale Notre Dame sowie dem Wiedervereinigungspalast, der einst als das Regierungsgebäude der südvietnamesischen Regierung gedient hatte. Wie so oft in Asien wechselten sich auch hier hochmoderne Gebäude mit (oftmals auch heruntergekommenen) traditionellen Einrichtungen ab.

Am Nachmittag nahm ich dann schließlich noch einen Bus, um mir China-Town anzusehen. Im chinesische Viertel herrschte noch viel mehr Gewusel und ich durfte den Verkehr in Saigon in seiner ganzen Pracht erleben. Also wirklich, das muss man mal gesehen haben! Die Ampel, Straßenschilder und Straßenbeschriftungen dienen hier lediglich als Vorschläge, die meist recht kaltherzig ignoriert werden. Überall gibt es Rollerfahrer. Egal, ob die Ampel gerade rot oder grün anzeigt, ein Roller wird jede Sekunde über die Straße gedüst kommen. Auch die Fahrtrichtung wird dabei gerne mal nicht so streng genommen. Es wird einfach oft genug gehupt, damit der Rest auf der Straße Platz macht. Ein besonderes Abenteuer ist dann die Überquerung einer vollbefahrenen Straße: Man geht einfach drauf los, die Rollerfahrer weichen dann entsprechen (knapp) aus. Dabei wurde mir geraten, keine hektischen Bewegungen zu machen, da das die Kalkulationen der Fahrer durcheinanderbringen und nicht allzu gut enden könnte.

Zurück im Zentrum (nachdem ich in einen fahrenden Bus reinspringen durfte; der Fahrer hielt es nicht für nötig, komplett anzuhalten) genehmigte ich mir dann noch ein traditionell vietnamesisches Abendessen: eine Art Suppe aus Nudeln und Fleisch mit Gemüse, genannt „Pho“. Ich hatte nicht wirklich verstanden, was da drin war und fand dann zu meiner Überraschung auch einen Tentakel darin, aber hey, es war die Empfehlung des Hauses! Und gut geschmeckt hat es auch. Das Dessert aus schwarzem Reis und Joghurt hingegen ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber dennoch lecker gewesen.

Am nächsten Tag ging es früh aus den Federn: Um 8:15 Uhr startete ich mit einem überraschend modernen Bus (hatte sogar WLAN) einen geführten Tagesausflug zu einem Tempel und den Chu Chi Tunneln.

Wir erreichten den Cao Dai Tempel, den größten Tempel Vietnams, kurz vor 12 und konnten daher das zweite Gebet des Tages ein wenig beobachten. Interessant war die dortige Religion: der sogenannte  „Caodaismus“; bei dem  verschiedenen andere Religionen vereint werden und die dortigen Mönche sich vorgenommen haben, für den Frieden unter allen Gläubigen zu beten.

Nach einem kleinen Mittagessen und einem Info-Film zu den Chu Chi Tunneln im Bus, ging es schließlich zum eigentlichen Highlight des Tages: die besagten Tunnel, in denen die Vietnamesen im Vietnam-Krieg so trickreich den Amerikanern Paroli geboten hatten. Es war wirklich beeindruckend zu sehen, was für Tricks sich die Einwohner ausgedacht hatten. Da gab es verschiedenste Fallen, von Speeren, die im Boden versteckt waren und zusätzlich zur möglichen Infektion mit Kot beschmiert worden waren, bis hin zu versteckten Mienen hatten sich die Vietcongs eine Menge einfallen lassen. Zusätzlich konnte man auch für ein paar Euro mit verschiedenen Maschinengewehren an einem Schießstand auf eine Plastikflasche feuern. Was das genau noch mit den Tunneln zu tun hat, bleibt wohl offen.

Abschließend durfte man sich dann noch selbst durch einen der Tunnel quetschen. Dieser war ein wenig vergrößert worden für die Touristen und auch nur 100 Meter lang, aber das reichte schon vollkommen, um uns ins Schwitzen zu bringen. Wir krochen verbogen uns und versuchten so gut es ging in der Hocke (wie damals die Vietcongs) durch den Tunnel zu kommen. Nachdem wir endlich wieder das Tageslicht erblickt hatten, gab es zum Abschied noch ein bisschen Baumwurzel zu essen. Kann man mal probieren, war jetzt aber nicht so dolle.

Am Montagmorgen ging es dann schließlich für mich wieder (nach einer kurzen Verzögerung am Flughafen) zurück nach Singapur.

Advertisements
von lenstolz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s