Kyoto (Part 2)

Danach entschied ich mich, wieder mehr in Richtung Zentrum zu gehen und meinen Bruder zu treffen. Auf dem Weg dorthin machte ich noch einen Abstecher auf dem sogenannten Nishiki Markt, eine Einkaufsmeile, die gut besucht war und alles Mögliche an Souvenirs und Essen zu bieten hatte.

Wir gönnten uns anschließend auch einen Besuch in einer Onsen, also in einem von natürlichen heißen Quellen gespeisten Bad. Wir besuchten dafür die älteste Onsen in Kyoto: Funaoka Onsen (der Vollständigkeit halber sollte man an dieser Stelle wohl anmerken, dass es sich dort aber leider nur um eine Sento handelte, also ein Bad, bei dem „nur“ normales Wasser erhitzt wird). Es war eine sehr interessante Erfahrung: Männer und Frauen wurden direkt nach dem Eingang getrennt. Es ging erst in die Umkleide, wo man seine Sachen einschloss. Danach wurde sich mit einer Schüssel grob gewaschen. Im der eigentlichen Einrichtung wurde das dann noch gründlicher gemacht, bevor man ins heiße Wasser ging.

Es war spannend zu sehen, wie sich viele der älteren Herren (die übrigens deutlich die Mehrheit ausmachten) gemütlich und in aller Freizügigkeit dort auch gleich noch rasierten und miteinander quatschten. Als nächstes ging es also in das heiße Wasser. Es gab dabei verschiedene Becken: ein normales, ein blubberndes Bad und ein weiteres, elektrisch geladenes. Das klingt jetzt natürlich erst mal seltsam. Und genauso hat es sich angefühlt, durch dieses knisternde Wasser durchzuschwimmen (freundlicherweise gab es sogar auf Englisch an der Seite einen Hinweis, dass man diese Becken meiden sollte, falls man unter Herzproblemen litt). Eine Sauna Raum mit Abkühlbecken komplettierte die Auswahl vor Ort.

Ich hatte auch Bedenken, dass ich mit meinem Tattoo möglicherweise böse auffallen würde (in Japan ist das speziell für die ältere Generation ein absolutes No-Go, viele verbinden damit auch heute noch die japanische Mafia, weswegen man oftmals nicht mit Tattoos in die Onsen rein darf). Und ich hatte auch den Eindruck, dass wir nicht zwingend herzlich aufgenommen wurden von den anderen Gästen. Als ich jedoch im Ausgang versehentlich eine halbe Schüssel kaltes Wasser über meinen hinter mir stehenden Bruder schüttete, lachte ein älterer Herr neben uns darüber. Das hat mich dann doch etwas beruhigt.

Unser Hostel lag in der Nähe von Gion, dem wohl bekanntesten Viertel, um Geishas zu entdecken. Daher nahmen wir einen kleinen Umweg durch dieses Viertel, aßen dort zu Abend und sahen uns in diesem weiteren schönen Viertel um. Leider hatten wir aber nicht das Glück, einer dieser berühmten Unterhaltungskünstlerinnen über den Weg zu laufen.

Da mir dieser eine Tag einfach nicht genug gewesen war, um auch nur annähernd die breite Masse von Kyotos Kultur zu sehen, beschloss ich, dass wir etwas später als geplant nach Osaka weiterreisen sollten und verbrachte stattdessen lieber den nächsten Morgen damit, eine weitere Ecke in Kyoto zu besichtigen. Das war definitiv keine falsche Entscheidung.

Diesmal ging es Richtung Norden, zum wohl bekanntesten (und meiner Meinung nach auch beeindruckendsten) Tempel, dem Kinkaku-ji Temple, auch bekannt als Goldener Pavillon. Diese goldfarbige Einrichtung ist definitiv sein Eintrittsgeld wert. Ähnliches gilt auch für das Gelände des Ninna-ji Tempelkomplexes, der etwa 30 Minuten zu Fuß vom Kinkaku-Ji entfernt liegt. Auch hier gehören verschiedene Teile zu Japans Nationalschatz.

Im Anschluss daran ging es zurück zum Hostel und spontan mit dem Taxi zum Bahnhof. Der Taxi-Fahrer war ein überraschend gesprächiger Japaner, der aufgrund seines Studiums in den USA einigermaßen verständliches Englisch sprechen konnte (nach eigener Einschätzung: „Hervorragend für einen Japaner!“) und meinen Bruder und mich allein schon dafür mochte, dass wir Deutsche sind, da man in Deutschland ja eine besonders intelligente Atom-Politik verfolge, im Vergleich zu seinem eigenen Land.

Vom Bahnhof ging es dann mit dem Zug weiter zur leider schon (vorerst!) letzten Station in Japan für mich: Osaka!

 

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von lenstolz

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